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Der Begriff
Rentenproblematik wird
überwiegend im Zusammenhang mit der
gesetzlichen Rente in Verbindung
gebracht.
Ursächlich für diese
Rentenproblematik ist die
demographische Entwicklung der
deutschen Bevölkerung und das darauf
im besondern Maße abhängige
Umlageverfahren. Durch den Umzug
von Arbeitsplätzen und Gutverdienern
ins steuergünstigere Ausland werden
Grundlagen der Rentenversicherung
zusätzlich erschüttert.
Der Wirtschafts-Nobelpreisträger
Paul A. Samuelson bezeichnete
umlagefinanzierte Rentensysteme
einst als "the biggest Ponzi Game
ever". Als Ponzi-Spiel bezeichnet
man die Finanzierung von
Auszahlungen über die Aufnahme von
Krediten, deren Rückzahlung man
wieder durch die Aufnahme neuer
Kredite leistet. Auf Deutsch gibt es
für derartige Finanzierungskonzepte
auch den Begriff "Schneeballsystem".
Betrachtet man das deutsche
Rentensystem, so wird die
Ähnlichkeit zu einem
Schneeballsystem sofort deutlich.
Die Generation der ersten
Rentenbezieher nach dem Zweiten
Weltkrieg wurde bezahlt, ohne selbst
in die Rentenkasse eingezahlt zu
haben. Als "Gegenleistung" dafür
erhielten ihre Kinder Ansprüche auf
Rentenzahlungen der zum Teil noch
nicht geborenen nachfolgenden
Generation. Beim klassischen
Kettenbrief-Schneeball-Spiel
verschickt man Briefe an viele
Empfänger, die - soweit sie am Spiel
teilnehmen wollen - an den Absender
einen bestimmten Geldbetrag zahlen.
Dafür erhalten sie das Recht, im
Rahmen des Spiels diesen Brief an
andere Leute zu schicken und von
diesen wieder Zahlungen zu
empfangen. Stellt man die erste
Rentnergeneration nach dem Zweiten
Weltkrieg als den Erstversender
eines solchen Briefes vor, wird die
Analogie deutlich. Genauso wie beim
Rentensystem ist auch beim
Kettenbriefsystem theoretisch eine
unendliche Laufzeit denkbar, wenn
die Bevölkerung nur ausreichend
stark wächst.
Es erscheint klar, daß die
Annahme einer stetig wachsenden
Bevölkerung von vornherein utopisch
war. Abgesehen von demographischen
Gesetzmäßigkeiten, die mit
zunehmendem Wohlstand eine Abnahme
der Geburtenrate vorhersagen (Demographische
Transition), gibt es auch
einfach ökologische und zuletzt
räumliche Gründe, die ein
unendliches Wachsen der Bevölkerung
unmöglich machen. Würde der
Zusammenbruch des Rentensystems also
nicht in den nächsten Jahrzehnten
kommen, so wäre es eben später der
Fall gewesen. Das umlagefinanzierte
Rentensystem ist von vornherein
nicht tragfähig und seine Einführung
vor allem dadurch begründet, daß
Politiker in der Nachkriegszeit das
Problem der Finanzierung der Renten
auf einfache Weise auf zukünftige
Generationen abwälzen konnten.
Zukünftige Generationen können sich
nicht wehren.
Die ganze Problematik wird
erschwert durch die augenblickliche
Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgericht, die eine
Rendite der Einzahlungen in die
Rentenkasse in Höhe einer
marktüblichen Verzinsung garantiert.
Wie sich in einem mathematischen
Modell zeigen läßt, ist eine
derartige Rendite nur möglich, wenn
die sogenannte "Aron-Bedingung"
erfüllt ist. Danach muß das Produkt
aus Wachstumsfaktor der Bevölkerung
und Wachstumsfaktor des pro Kopf
Volkseinkommens größer sein als der
Marktzins. Wie sich ebenso zeigen
läßt, könnte diese Bedingung nur
erfüllt sein, wenn sämtliche
Produktionsfaktoren einer Wirtschaft
potenziell in unbegrenzter Menge
vorhanden wären. Gäbe es nicht noch
andere Engpässe, würde alleine die
Begrenztheit des Produktionsfaktors
Land auf ganz lange Sicht einen
Bruch der Aron-Bedingung
herbeiführen. Abgesehen von diesen
theoretischen Überlegungen wird die
Aron-Bedingung aber ohnehin schon
seit vielen Jahren nicht mehr
erfüllt. Die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts ist ein
Beispiel dafür, wie Entscheidungen
ohne ausreichende Berücksichtigung
von volkswirtschaftlichen
Zusammenhängen gefällt werden.
Die Bevölkerungsstruktur gleicht
im Falle konstant wachsender
Bevölkerung auf einer Graphik
aufgezeichnet einer Pyramide. Es
gibt in diesem Fall immer mehr
Erwerbstätige als Ruheständler. In
den letzten Jahren hat sich diese
Entwicklung jedoch umgekehrt. Heute
gleicht die Graphik eine Urnenform.
Im Jahr 2045 wird nach Prognosen die
Bevölkerungsstruktur komplett auf
den Kopf gestellt haben. Dieses Bild
wird dann einer umgekehrten, auf der
Spitze stehenden Pyramide gleichen.
Als Ursache für diese Entwicklung
wird folgendes ausgemacht:
Einerseits werden immer mehr
Menschen durch bessere, moderne
Lebensweise und den medizinischen
Fortschritt immer älter.
Andererseits werden in der modernen
Gesellschaft immer weniger Kinder
geboren. Als Gründe werden
hauptsächlich der Wertewandel in der
Gesellschaft angeführt. Neue Werte
wie Selbstverwirklichung,
Unabhängigkeit, beruflicher Erfolg,
Ehe ohne Kinder und alternative
Lebensformen, mangelnder
Familiensinn werden insbesondere aus
konservativen Kreisen als Ursache
für das
Geburtendefizit verantwortlich
gemacht.
Derzeit werden im Schnitt nur 1,2
Kinder pro Familie geboren. Damit
die Bevölkerungszahl nicht schrumpft
müssen im Schnitt mehr als 2 Kinder
pro Familie geboren werden.
Um dem Bevölkerungsschwund
entgegen zu wirken, soll der Anreiz
für "das Kinder kriegen" erhöht
werden. Anreize sollen gegeben
werden durch Steuererleichterungen
für Familien, Erhöhung des
Kindergeldes, kostenlose ganztägige
Kinderbetreuung in Kindergarten und
Schule, durch Einführung des
Erziehungsurlaubs, u.s.w. Als
weiteres Maßnahmenbündel gegen
diesen Trend wird der Zufluss,
Ansiedelung und Integration von
Flüchtlingen und Asylsuchenden
angesehen, das zu einer Verjüngung
der Bevölkerungsstruktur beitragen
sollen.
Ein weiterer Ansatz zur Lösung
der Rentenproblematik ist, dass die
Dauer der Einzahlungen erhöht und
die Dauer der Leistungen verringert
wird. Dies kann einerseits durch
Reduzierung der Ausbildungsdauer
(Deutschland hat die längsten
Ausbildungszeiten) erreicht werden,
andererseits durch immer später
erfolgende Auszahlungen mittels
einer Verschiebung des Rentenbeginns
von 65 auf 67 Jahren.
Zudem wird versucht, die
Bedeutung der gesetzlichen Rente zu
verringern, indem der Staat seine
Bürger dazu bewegt, verstärkt in die
private Altersvorsorge zu
investieren, bei gleichbleibend
hohen Beiträgen für die gesetzliche
Rentenversicherung.
Derzeit wird zudem das Problem
durch die anhaltenden hohe
Arbeitslosigkeit zudem verschärft.
Da mehr Menschen arbeitslos sind und
daher auch keine Einzahlungen in die
gesetzliche Rentenversicherung
vornehmen können, andererseits die
laufenden Rentenzahlungen an die
Rentner dennoch geleistet werden
müssen, gerät das Rentensystem
verstärkt in Schieflage.
Massnahmen gegen diesen Trend
werden in der Politik vielfach
öffentlich und kontrovers
diskutiert. Nach einer Ansicht ist
das umlagefinanzierte Rentesystem
generell unzulänglich und kann auch
nicht langfristig stabilisiert
werden. Es muss schnellstmöglich
durch eine ausschließliche private
Vorsorge ersetzt werden. Nach dieser
Ansicht ist die Ursache der Probleme
im System selbst angelegt. Weitere
Maßnahmen wie beispielsweise eine
höhere Geburtenzahl kann höchstens
eine gewisse Zeit lang Abhilfe
schaffen. Nach anderer Ansicht muss
das System der gesetzlichen Renten
angepasst aber nicht abgeschafft
werden. Die gesetzliche Rente stellt
weiterhin einen wesentlichen
Bestandteil der Altersvorsorge neben
der privaten Vorsorge dar. Das ganze
System kann jedoch nur noch durch
ein Bündel von Maßnahmen und nicht
mehr durch eine Einzelmaßnahme
gerettet werden. Bei
gleichbleibender
Bevölkerungsentwicklung, negativen
Trends und mangelnder Gegensteuerung
wird jedoch zwangsläufig die
Bedeutung dieses Bausteins für die
Privatvorsorge abnehmen müssen.
Je nach Meinung ergeben sich
unterschiedliche Schlussfolgerungen:
Die Anhänger für die Abschaffung der
Umlagefinanzierung akzeptieren
letztlich nur ein kapitalgedecktes
Rentensystem. Dies ist für die
augenblicklich arbeitenden Menschen
sehr schmerzhaft, da sie
gleichzeitig die Rentner der
Vorgeneration bezahlen und für ihre
eigene Rente ansparen müssen. Sie
argumentieren, dass, wenn ein
kapitalgedecktes System jedoch
erreicht wird, sich so keine
weiteren Anforderungen mehr an das
Wachstum der Bevölkerung ergeben. Da
das Kapital dort seine Rendite
erwirtschaften kann, wo es genug
Menschen gibt, und nicht auf eine
ausreichende Anzahl von
Erwerbstätigen im Inland angewiesen
ist, ist es langfristig stabil und
sicher.
Kritiker wenden ein, dass
erhebliche Risiken auch in einer
ausschließlich kapitalgedeckten
Rentenfinanzierung stecken. Das
zurückgelegte Kapital wird in
langfristig an den Kapitalmärkten,
d.h. am Aktien- und Rentemarkt
angelegt. Mit steigender
Rentneranzahl steigen daher auch die
Geldzuflüsse am Kapitalmarkt an. Es
gibt geburtenschwache und
geburtenstarke Jahrgänge. Diese
wechseln sich ab. Kommt ein
geburtenstarker Jahrgang in die
Einzahlungsphase, so werden die
Kapitalmärkte quasi von Geld
überschwemmt, da jeder einzelne
diese Gelder für sich anlegt. Das
Geld kann vom Kapitalmärkt nicht
mehr sinnvoll investiert werden bzw.
aufgenommen werden. In dieser Phase
werden einerseits die Zinsen für
Jahrzehnte auf sehr niedrigem Niveau
bleiben und andererseits werden
Aktienanleger zum Erreichen einer
Mindestrendite immer risiko- und
damit verlustreicher investieren
müssen. Die gegenteilige Entwicklung
wird sich ergeben, wenn ein
geburtenstarker Jahrgang in die
Auszahlungsphase (Rentenphase)
kommt. Es wird massenhaft Kapital
aus den Kapitalmärkten abgezogen.
Die Zinsen steigen, im schlimmsten
Fall kommt der ganze
Liquiditätsfluss zum erliegen. Wird
zu viel Geld dem ökonomischen
Kreislauf entzogen, so crasht die
Volkswirtschaft. Es kommt zur
Rezession. Durch diese zwei sich
aufschaukelnde Entwicklungen wird
daher bei hinreichend großer Anzahl
von Rentnern auch bei einem
kapitalgedecktem System die Rente
nicht sicher sein. Die in der
Vergangenheit erzielten Renditen in
der Privatvorsorge von 8% oder mehr,
basierten auf unterschiedliche
ökonomische Rahmenbedingungen und
können daher nicht auf die Zukunft
übertragen werden.
Um diese sich aufschaukelnde
Trends abzuschwächen und zu
kontrollieren scheint eine Mischung
aus umlagefinanzierter und
kapitalgedeckter Altersvorsorge
weiterhin sinnvoll zu sein. Eine
gelungene Umstellung der
Rentensysteme wird sich daher nicht
mit dem "ob" einer Umstellung
befassen müssen, sondern vielmehr
ist relevant, "wieviel"
Kapitaldeckung bzw.
Umlagefinanzierung sinnvoll ist. In
jedem Fall ist dabei sehr viel
stärkere Gewichtung der
kapitalgedeckten Altersvorsorge
unabdingbar.
Tendenziell wird es wohl immer
eine zu große Gewichtung der
Umlagefinanzierung geben. Auf diese
Weise können Politiker Geschenke auf
Kosten zukünftiger Generationen
verteilen. |