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Rentenproblematik Rentenproblem
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Begriff Rentenproblematik wird überwiegend im Zusammenhang mit der gesetzlichen Rente in Verbindung gebracht.

Ursächlich für diese Rentenproblematik ist die demographische Entwicklung der deutschen Bevölkerung und das darauf im besondern Maße abhängige Umlageverfahren. Durch den Umzug von Arbeitsplätzen und Gutverdienern ins steuergünstigere Ausland werden Grundlagen der Rentenversicherung zusätzlich erschüttert.

Die Umlagefinanzierung

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul A. Samuelson bezeichnete umlagefinanzierte Rentensysteme einst als "the biggest Ponzi Game ever". Als Ponzi-Spiel bezeichnet man die Finanzierung von Auszahlungen über die Aufnahme von Krediten, deren Rückzahlung man wieder durch die Aufnahme neuer Kredite leistet. Auf Deutsch gibt es für derartige Finanzierungskonzepte auch den Begriff "Schneeballsystem".

Betrachtet man das deutsche Rentensystem, so wird die Ähnlichkeit zu einem Schneeballsystem sofort deutlich. Die Generation der ersten Rentenbezieher nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bezahlt, ohne selbst in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Als "Gegenleistung" dafür erhielten ihre Kinder Ansprüche auf Rentenzahlungen der zum Teil noch nicht geborenen nachfolgenden Generation. Beim klassischen Kettenbrief-Schneeball-Spiel verschickt man Briefe an viele Empfänger, die - soweit sie am Spiel teilnehmen wollen - an den Absender einen bestimmten Geldbetrag zahlen. Dafür erhalten sie das Recht, im Rahmen des Spiels diesen Brief an andere Leute zu schicken und von diesen wieder Zahlungen zu empfangen. Stellt man die erste Rentnergeneration nach dem Zweiten Weltkrieg als den Erstversender eines solchen Briefes vor, wird die Analogie deutlich. Genauso wie beim Rentensystem ist auch beim Kettenbriefsystem theoretisch eine unendliche Laufzeit denkbar, wenn die Bevölkerung nur ausreichend stark wächst.

Es erscheint klar, daß die Annahme einer stetig wachsenden Bevölkerung von vornherein utopisch war. Abgesehen von demographischen Gesetzmäßigkeiten, die mit zunehmendem Wohlstand eine Abnahme der Geburtenrate vorhersagen (Demographische Transition), gibt es auch einfach ökologische und zuletzt räumliche Gründe, die ein unendliches Wachsen der Bevölkerung unmöglich machen. Würde der Zusammenbruch des Rentensystems also nicht in den nächsten Jahrzehnten kommen, so wäre es eben später der Fall gewesen. Das umlagefinanzierte Rentensystem ist von vornherein nicht tragfähig und seine Einführung vor allem dadurch begründet, daß Politiker in der Nachkriegszeit das Problem der Finanzierung der Renten auf einfache Weise auf zukünftige Generationen abwälzen konnten. Zukünftige Generationen können sich nicht wehren.

Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts

Die ganze Problematik wird erschwert durch die augenblickliche Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht, die eine Rendite der Einzahlungen in die Rentenkasse in Höhe einer marktüblichen Verzinsung garantiert. Wie sich in einem mathematischen Modell zeigen läßt, ist eine derartige Rendite nur möglich, wenn die sogenannte "Aron-Bedingung" erfüllt ist. Danach muß das Produkt aus Wachstumsfaktor der Bevölkerung und Wachstumsfaktor des pro Kopf Volkseinkommens größer sein als der Marktzins. Wie sich ebenso zeigen läßt, könnte diese Bedingung nur erfüllt sein, wenn sämtliche Produktionsfaktoren einer Wirtschaft potenziell in unbegrenzter Menge vorhanden wären. Gäbe es nicht noch andere Engpässe, würde alleine die Begrenztheit des Produktionsfaktors Land auf ganz lange Sicht einen Bruch der Aron-Bedingung herbeiführen. Abgesehen von diesen theoretischen Überlegungen wird die Aron-Bedingung aber ohnehin schon seit vielen Jahren nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist ein Beispiel dafür, wie Entscheidungen ohne ausreichende Berücksichtigung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen gefällt werden.

Die Bevölkerungspyramide

Die Bevölkerungsstruktur gleicht im Falle konstant wachsender Bevölkerung auf einer Graphik aufgezeichnet einer Pyramide. Es gibt in diesem Fall immer mehr Erwerbstätige als Ruheständler. In den letzten Jahren hat sich diese Entwicklung jedoch umgekehrt. Heute gleicht die Graphik eine Urnenform. Im Jahr 2045 wird nach Prognosen die Bevölkerungsstruktur komplett auf den Kopf gestellt haben. Dieses Bild wird dann einer umgekehrten, auf der Spitze stehenden Pyramide gleichen.

Ursachen der Rentenproblematik

Als Ursache für diese Entwicklung wird folgendes ausgemacht: Einerseits werden immer mehr Menschen durch bessere, moderne Lebensweise und den medizinischen Fortschritt immer älter. Andererseits werden in der modernen Gesellschaft immer weniger Kinder geboren. Als Gründe werden hauptsächlich der Wertewandel in der Gesellschaft angeführt. Neue Werte wie Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, beruflicher Erfolg, Ehe ohne Kinder und alternative Lebensformen, mangelnder Familiensinn werden insbesondere aus konservativen Kreisen als Ursache für das Geburtendefizit verantwortlich gemacht.

Derzeit werden im Schnitt nur 1,2 Kinder pro Familie geboren. Damit die Bevölkerungszahl nicht schrumpft müssen im Schnitt mehr als 2 Kinder pro Familie geboren werden.

Lösungsansätze

Um dem Bevölkerungsschwund entgegen zu wirken, soll der Anreiz für "das Kinder kriegen" erhöht werden. Anreize sollen gegeben werden durch Steuererleichterungen für Familien, Erhöhung des Kindergeldes, kostenlose ganztägige Kinderbetreuung in Kindergarten und Schule, durch Einführung des Erziehungsurlaubs, u.s.w. Als weiteres Maßnahmenbündel gegen diesen Trend wird der Zufluss, Ansiedelung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden angesehen, das zu einer Verjüngung der Bevölkerungsstruktur beitragen sollen.

Ein weiterer Ansatz zur Lösung der Rentenproblematik ist, dass die Dauer der Einzahlungen erhöht und die Dauer der Leistungen verringert wird. Dies kann einerseits durch Reduzierung der Ausbildungsdauer (Deutschland hat die längsten Ausbildungszeiten) erreicht werden, andererseits durch immer später erfolgende Auszahlungen mittels einer Verschiebung des Rentenbeginns von 65 auf 67 Jahren.

Zudem wird versucht, die Bedeutung der gesetzlichen Rente zu verringern, indem der Staat seine Bürger dazu bewegt, verstärkt in die private Altersvorsorge zu investieren, bei gleichbleibend hohen Beiträgen für die gesetzliche Rentenversicherung.

Derzeit wird zudem das Problem durch die anhaltenden hohe Arbeitslosigkeit zudem verschärft. Da mehr Menschen arbeitslos sind und daher auch keine Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung vornehmen können, andererseits die laufenden Rentenzahlungen an die Rentner dennoch geleistet werden müssen, gerät das Rentensystem verstärkt in Schieflage.

Massnahmen gegen diesen Trend werden in der Politik vielfach öffentlich und kontrovers diskutiert. Nach einer Ansicht ist das umlagefinanzierte Rentesystem generell unzulänglich und kann auch nicht langfristig stabilisiert werden. Es muss schnellstmöglich durch eine ausschließliche private Vorsorge ersetzt werden. Nach dieser Ansicht ist die Ursache der Probleme im System selbst angelegt. Weitere Maßnahmen wie beispielsweise eine höhere Geburtenzahl kann höchstens eine gewisse Zeit lang Abhilfe schaffen. Nach anderer Ansicht muss das System der gesetzlichen Renten angepasst aber nicht abgeschafft werden. Die gesetzliche Rente stellt weiterhin einen wesentlichen Bestandteil der Altersvorsorge neben der privaten Vorsorge dar. Das ganze System kann jedoch nur noch durch ein Bündel von Maßnahmen und nicht mehr durch eine Einzelmaßnahme gerettet werden. Bei gleichbleibender Bevölkerungsentwicklung, negativen Trends und mangelnder Gegensteuerung wird jedoch zwangsläufig die Bedeutung dieses Bausteins für die Privatvorsorge abnehmen müssen.

Bewertung

Je nach Meinung ergeben sich unterschiedliche Schlussfolgerungen: Die Anhänger für die Abschaffung der Umlagefinanzierung akzeptieren letztlich nur ein kapitalgedecktes Rentensystem. Dies ist für die augenblicklich arbeitenden Menschen sehr schmerzhaft, da sie gleichzeitig die Rentner der Vorgeneration bezahlen und für ihre eigene Rente ansparen müssen. Sie argumentieren, dass, wenn ein kapitalgedecktes System jedoch erreicht wird, sich so keine weiteren Anforderungen mehr an das Wachstum der Bevölkerung ergeben. Da das Kapital dort seine Rendite erwirtschaften kann, wo es genug Menschen gibt, und nicht auf eine ausreichende Anzahl von Erwerbstätigen im Inland angewiesen ist, ist es langfristig stabil und sicher.

Kritiker wenden ein, dass erhebliche Risiken auch in einer ausschließlich kapitalgedeckten Rentenfinanzierung stecken. Das zurückgelegte Kapital wird in langfristig an den Kapitalmärkten, d.h. am Aktien- und Rentemarkt angelegt. Mit steigender Rentneranzahl steigen daher auch die Geldzuflüsse am Kapitalmarkt an. Es gibt geburtenschwache und geburtenstarke Jahrgänge. Diese wechseln sich ab. Kommt ein geburtenstarker Jahrgang in die Einzahlungsphase, so werden die Kapitalmärkte quasi von Geld überschwemmt, da jeder einzelne diese Gelder für sich anlegt. Das Geld kann vom Kapitalmärkt nicht mehr sinnvoll investiert werden bzw. aufgenommen werden. In dieser Phase werden einerseits die Zinsen für Jahrzehnte auf sehr niedrigem Niveau bleiben und andererseits werden Aktienanleger zum Erreichen einer Mindestrendite immer risiko- und damit verlustreicher investieren müssen. Die gegenteilige Entwicklung wird sich ergeben, wenn ein geburtenstarker Jahrgang in die Auszahlungsphase (Rentenphase) kommt. Es wird massenhaft Kapital aus den Kapitalmärkten abgezogen. Die Zinsen steigen, im schlimmsten Fall kommt der ganze Liquiditätsfluss zum erliegen. Wird zu viel Geld dem ökonomischen Kreislauf entzogen, so crasht die Volkswirtschaft. Es kommt zur Rezession. Durch diese zwei sich aufschaukelnde Entwicklungen wird daher bei hinreichend großer Anzahl von Rentnern auch bei einem kapitalgedecktem System die Rente nicht sicher sein. Die in der Vergangenheit erzielten Renditen in der Privatvorsorge von 8% oder mehr, basierten auf unterschiedliche ökonomische Rahmenbedingungen und können daher nicht auf die Zukunft übertragen werden.

Um diese sich aufschaukelnde Trends abzuschwächen und zu kontrollieren scheint eine Mischung aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Altersvorsorge weiterhin sinnvoll zu sein. Eine gelungene Umstellung der Rentensysteme wird sich daher nicht mit dem "ob" einer Umstellung befassen müssen, sondern vielmehr ist relevant, "wieviel" Kapitaldeckung bzw. Umlagefinanzierung sinnvoll ist. In jedem Fall ist dabei sehr viel stärkere Gewichtung der kapitalgedeckten Altersvorsorge unabdingbar.

Tendenziell wird es wohl immer eine zu große Gewichtung der Umlagefinanzierung geben. Auf diese Weise können Politiker Geschenke auf Kosten zukünftiger Generationen verteilen.

 

 

 

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